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21.10.2017 : 3:06

"Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit...„

...ist wohl der bekannteste Abschnitt des biblischen Predigerbuches (Prediger 3, 1-8). Der Schreiber Salomo beschäftigt sich hier in einer der sieben biblischen Schriften der Weisheit unter anderem auch mit den richtigen Zeitpunkten im menschlichen Leben.

Der richtige Zeitpunkt, mich von einem Verstorbenen zu verabschieden, ist für mich die Trauerfeier. Ein Anlass, zu sagen, was ich verloren habe, was diesen Menschen ausgemacht hat und was ihm wichtig war, was er für mich bedeutet hat.

Wir unterschätzen gelegentlich die Rituale, die wir alle in unserem Leben brauchen. Sie begleiten uns und helfen, Übergänge zu schaffen und uns neuen Situationen anzunähern. Trauerrituale ermöglichen die Kontrolle von Emotionen und schaffen Raum, Gefühle auszuleben, ohne dass der Trauernde befürchten muss, diesen Gefühlen völlig ausgeliefert zu sein. Sie erleichtern, die auftretenden Gefühle wahrzunehmen, sie anzunehmen, ihnen Gestalt zu geben und sie gesellschaftlich akzeptiert auszudrücken. Ebenso bewirken Trauerrituale eine Reduzierung von Angst: Sie helfen den Hinterbliebenen, sich ihrer bisher gesellschaftlich definierten Position, die nun nicht mehr existiert, bewusst zu werden und sind ein Schritt hin auf eine neue, bisher im eigenen Erleben noch nicht vollzogene Orientierung.

 

In Zeiten der Trauer sagen Blumen manchmal mehr als Worte. Sie haben ihre eigene, den Menschen seit Jahrhunderten vertraute Symbolsprache. Blumen spenden Trost, sind Zeichen der Zuneigung und Anteilnahme und Zugleich Ausdruck der Verbundenheit mit dem Verstorbenen auch über den Tod hinaus. Blumen, Blätter und Zweige tragen schon dadurch ihren Anteil an der Symbolik von Tod und Trauer, dass sie ebenso vergänglich sind wie wir Menschen. Das Leben einer abgeschnittenen Blume ist kurz. Zur Trauerfeier sehen wir die Blume in ihrer ausgereiften Schönheit, um sie schon nach wenigen Tagen der Erde zurückzugeben.

Einzelne Pflanzen haben im Lauf der Jahrhunderte eine ganz bestimmte symbolische Bedeutung gewonnen, teils durch alten Volksglauben, teils durch die verschiedenen Weltreligionen verstärkt, wie z.B. die weiße Lilie, Lilium candidum, die in der katholischen Mythologie für die Reinheit und Unschuld der Gottesmutter steht. Maler der Gotik und auch der Renaissance griffen dieses Symbol auf und stellten den Erzengel Gabriel mit einer weißen Lilie in der Hand dar, während er Maria mitteilt, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen werde.

Oder die Rose, oft als Königin der Blumen bezeichnet, und wohl auch wegen ihrer roten Farbe als Symbol der Liebe eingestuft. Nicht nur wurde sie zu allen Zeiten und in nahezu allen Kulturen wegen ihrer Schönheit verehrt, in einigen Gesellschaften galt sie auch als Symbol der weiterlebenden Seele. Deshalb wurde z.B. bei den alten Germanen Rosenholz mit auf den Scheiterhaufen gegeben. Auch hier finden wir eine christliche Bedeutung: Viele Kirchtürme werden von einer Rose aus Stein gekrönt und die runden Öffnungen gotischer Kirchen werden als Fensterrose bezeichnet.

Auch die im Zusammenhang mit Tod und Trauer stehende Bedeutung des Palmwedels lässt sich anhand christlicher Überlieferung nachvollziehen, wurde Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem doch von vielen Bewohnern mit Palmwedeln empfangen. Palmwedel waren ursprünglich in der römischen Gesellschaft ein Zeichen des Sieges und wurden dann zu einem Symbol des Friedens. Daher finden wir in Todesanzeigen häufig sowohl die Abbildung eines Palmwedels wie auch die Worte „Ruhe in Frieden.„

Nicht nur Blumen sind traditionelle Zeichen der Trauer und Anteilnahme, auch Kränze gehören - wegen ihrer klaren Form und der daraus resultierenden Kraft ihrer Symbolik - zu Zeichen der Trauerkultur. Die Ewigkeit, die Unendlichkeit, für die im Glauben vieler Kulturen und Religionen die menschliche Seele bestimmt ist, kommt in der kreisrunden Form eines Kranzes optimal zum Ausdruck. Von daher verwundert es nicht, dass der Kranz als Symbol der Trauer schon seit mehreren tausend Jahren akzeptiert ist.

Hinzu kommt, dass nahezu alle Kränze in der Farbe Grün gefertigt werden, der Farbe also, die von jeher und in allen Religionen die Hoffnung versinnbildlicht. Grün ist die heilige Farbe des Islam und in vielen vornehmlich moslemisch geprägten Ländern die Grundfarbe der Landesflagge. Doch nicht nur die Farbe Grün hat ihre Berechtigung im Bereich Tod und Trauer. Auch Weiß - im physikalischen Sinne eigentlich keine Farbe - hat symbolhafte Bedeutung schon von alters her, da mit ihr Reinheit und Vollkommenheit in Verbindung gebracht werden. In der katholischen Lehre bedarf der Sterbende der letzten Ölung, um von seinen Sünden befreit in Reinheit das Jenseits betreten zu können.

Die Pole Leben und Tod im menschlichen Leben werden durch Verbindung von Rot, der Farbe für die Welt des körperlichen, und Blau, Sinnbild für die geistige Welt, verdeutlicht: das Ergebnis ist Lila, eine Farbe, welche wiederum in der christlichen Lehre fest verankert ist. So finden wir an den so genannten Vorbereitungssonntagen in den Kirchen ein violettes Tuch an der Kanzel befestigt, Zeichen für die Buß- und Fastenzeit.

Blumen und Kränze, deren Farben, ja sogar die Zeitpunkte für ihr Weiterreichen, haben alle einen geschichtlichen, kulturellen und damit wertvollen Hintergrund. Auf diese Symbole zu verzichten, hieße wieder eine gute Sitte, ein schönes und nützliches Ritual wegbrechen zu lassen. Der seit langem zu beobachtenden Entwicklung, möglichst schnell, möglichst rational alles zusammenzufassen, auch im Fall einer Trauer nachzugeben, bedeutete, den eigentlichen Mittelpunkt einer Trauerfeier, nämlich den Verstorbenen selbst, schon zu diesem Zeitpunkt in den Hintergrund treten zu lassen. Trauergäste und Angehörige sollten auf ihre eigene Stimme hören: was brauche ich für den Abschied, was möchte ich ausdrücken?

Und wenn es der Hochzeitsstrauß als letzter Gruß an die Ehefrau ist, dann sollte niemand diesem Wunsch entgegenstehen.