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 Betreff des Beitrags: An der Uni/Junge Menschen
BeitragVerfasst: 25.07.2007, 08:53 
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Registriert: 24.07.2007, 21:23
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Eine einfache Antwort auf die Beschreibung wäre für mich "ja". Es ist schwer, in dieser Gesellschaft zu trauern, da es immer noch irgendwo ein Tabuthema ist, und die meisten Menschen nicht mit diesen starken Gefühlen umgehen können, nicht wissen, wie sie sich ihren eigenen Freunden gegenüber verhalten sollen. Wir spielen uns gerne vor, das Leben sei unendlich, gut, voller Genüsse, und folge irgendeiner höheren Richtung, einer Bedeutung. Aber Tatsache ist nun einmal, dass es nicht so ist. Es gibt keine Gerechtigkeit, und die Menschen sind nur winzige Punkte auf einem winzigen Planeten in einem riesigen Universum, und es ist offensichtlich absolut egal, wie viele von ihnen es gibt.

Es überrascht mich immer wieder, wie wichtig in den Medien Themen wie "die neueste Sommermode" oder "wie verbessere ich mein gelöscht?" sind, während so wenig über Erfahrungen, die jeder früher oder später macht, berichtet wird. Wenn von Tod die Rede ist, dann wird sachlich und quantitativ berichtet, betont ohne sich die persönliche Natur, die Umgebung, bewusst zu machen: "12 Palästinenser starben bei einem Angriff im Gazastreifen. Und nun zum Wetter..."

So gut es die Menschen auch meinen, so oft verfallen sie doch in einfaches ignorieren oder sich zurück ziehen, wenn ein guter Freund/Angehöriger jemanden verliert, aus Angst, etwas falsches zu sagen oder zu tun, vielleicht auch ein bisschen, weil sie sich nicht mit dem Tod auseinandersetzen wollen. Denn bei Freunden ist er schon zu nahe, zu real, was die Möglichkeit beinhaltet, das ihnen das gleiche passiert.

Ich verlor vor meinem zweiten Semester an der Uni meinen Vater und machte den Fehler, sofort zurück zu gehen. Das Studium selbst tat mir zwar gut, aber mit der Umgebung, die erst so wunderbar ablenkend schien, kam ich einfach nicht klar. Es war, als wäre ein riesiger Spalt zwischen mir und allen anderen Menschen, und es machte mich so wütend, so wütend, dass sie unbeschwert feiern konnten und es ihre größte Sorge war, ob ein gewisser Junge sie mochte oder nicht. Die meisten Studenten haben so etwas noch nicht erlebt, daher verstehen es selbst die Freunde, die es wirklich gut meinen, nicht, und haben Angst davor, dass es erwähnt werden könnte. Damit komme ich immer noch nicht zurecht. Nach ein paar Monaten meinen die meisten Leute sowieso, dass es jetzt aber mal genug getrauert ist, und sind genervt davon, wenn man nicht mit feiern möchte. Die meisten Menschen mögen einen nur, wenn man sich verstellt, das habe ich daraus gelernt.

Eine Ã?Freundinì sagte mal zu mir: Ã?Das ist eben scheiße. Ich meine, ich kannte auch schon Leute, die gestorben sind.
Man darf das eben nicht so an sich ran lassen.ì
Und das sind eben die üblichen Sätze: "Das wird schon wieder", "Schmerz vergeht mit der Zeit", "es war bestimmt besser so für ihn".

All die Dinge, an die man so gerne glauben möchte, mit denen man das Thema so gerne abhandeln möchte - die aber so nicht stimmen, zumindest für mich nicht.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 31.07.2007, 19:49 
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Registriert: 12.01.2007, 13:11
Beiträge: 14
Wohnort: Berlin
Hallo Mia,

ich kann Deine Wut nur zu gut verstehen. Sie sehen die Dinge nicht so wie wir, wahrscheinlich, weil sie sie nie so erlebt haben, oder? Und das Thema macht ihnen Angst, denn sie denken dann zuerst an ihren eigenen Tod. Und wer will schon sterben?

Durch Deine Wut - lebst Du aber bewußter, das ist jedenfalls der Trost, den ich mir sage, wenn ich mal wieder einen dieser dämlichen Ratschläge von wegen "Jetzt ist doch aber gut!" hören muss.

Ich weiß, wie kostbar das Leben ist und wie schnell es vergeht. Deshalb lebe ich jeden Tag sehr bewußt und nicht so oberflächlich wie viele andere.

Kein großer Trost, aber mehr habe ich nicht.


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